Die „Orientalische Frage“ ist ein Begriff der europäischen
Diplomatiegeschichte aus dem 19. Jh. Unter diesem Begriff verbirgt sich
ein ständiger Konflikt zwischen den europäischen Großmächten über das
Schicksal des Osmanischen Reiches. Im europäischen Teil des Osmanischen
Reiches kreuzen sich die außenpolitischen Interessen Russlands, das vor
allem Zugang zum Schwarzem Meer sichern wollte aber gleichzeitig als
offizieller Protektor der orthodox-christlichen Bevölkerung auf dem
Balkan galt und anderen westeuropäischen Großmächten, die für die
Bewahrung des Status quo auf dem Balkan interessiert waren. Nachdem sich
Anfang des 19. Jh. die nationale Idee aus Westeuropa unter die
Balkanvölker verbreitete, war es für die Großmächte immer schwieriger
die Auflösung des Osmanischen Reiches und die Bildung neuer nationalen
Staaten auf dem Balkan zu verhindern. Die Folge einer solchen
Entwicklung waren regelmäßige Orientkrisen während des ganzen 19. Jhs.
Die größte und folgenreichste war die „Große Orientkrise“ (1875-1878),
die mit dem Berliner Kongress endete. Wir werden uns im Seminar zuerst
mit der Orientalische Frage allgemein und damit verbundenen Problemen
beschäftigen, um einen Überblick über das Thema zu verschaffen. Danach
werden wir uns mit der Großen Orientkrise und mit den wichtigsten
Quellen aus dieser Zeit auseinandersetzen und dadurch die Methodik des
wissenschaftlichen Arbeitens praktisch üben.
- Trainer/in: Danijel Kezic

