Ein Gang durch die Regensburger Altstadt führt vieles vor Augen, was
eine europäische Stadt des Mittelalters ausmachte und unsere
Stadtvorstellungen bis heute prägt: Reste der mittelalterlichen
Stadtmauer und Tore wie das Jakobstor zeigen an, dass der Stadtbereich
klar vom Umland geschieden war; im Zentrum befindet sich mit dem Dom
eine christliche Kathedrale, aber auch eine jüdische Synagoge im
angrenzenden Judenviertel; Klosterkirchen zeigen die Vielgestaltigkeit
des religiösen Lebens; Marktplätze wie der Fisch- oder Kornmarkt rufen
das mittelalterliche Kaufmannswesen in Erinnerung; Patriziertürme sind
steinerne Zeugen für den Reichtum dieser Berufsgruppe. Doch wie fand
eine mittelalterliche Stadt wie Regensburg, Augsburg, Köln oder
Halberstadt zu ihrer spezifischen Topographie, gesellschaftlichen
Verfassung, Wirtschaftsweise und Kultur? Welche historischen Prozesse
führten zu einer städtischen Selbstverwaltung, dem Ausbau des Kirchen-
und Klosternetzes, der Ausdifferenzierung städtischer Gruppen und der
Stärkung des bürgerlichen Selbstbewusstseins? Diesen Fragen, die für
jede Stadt auf ganz unterschiedliche Weise zu beantworten sind, möchte
sich das Proseminar unter Heranziehung verschiedener schriftlicher und
bildlicher Quellen zur mittelalterlichen Stadtgeschichte (Stadtbücher,
Chroniken, Testamente; Stadtdarstellungen in der Buchmalerei,
architektonische Zeugnisse…) widmen. Dabei werden grundlegende Techniken
zur Analyse mittelalterlicher Quellen und zum Umgang mit aktueller
Forschungsliteratur erarbeitet. Ziel ist das themenbezogene Einüben
wissenschaftlicher Arbeitsweisen und Methoden der mittelalterlichen
Geschichte, die am Ende des Seminars in einer Hausarbeit unter Beweis
gestellt werden sollen.