Ob bei einer fürstlichen Hochzeit, dem Gang zum eigenen Marktstand oder dem Empfang ausländischer Diplomaten – im Mittelalter dienten sichtbare Zeichen, Zeremonien, Kleidung, Bauwerke und Riten als Ausdruck von Handlungen, Statusansprüchen, der Festigung der eigenen Identität und der Darstellung des sozialen Standes. Es ist daher nicht verwunderlich, dass viele dieser Ansprüche im Laufe des Mittelalters nur durch eine breite Anerkennung und Bestätigung in der ‚Öffentlichkeit‘ durchgesetzt werden konnten. Kleidung etwa vermittelte den Anwesenden schnell, welche gesellschaftliche Stellung jemand einnahm. Doch ein wohlhabender Kaufmann konnte von einem ungeschulten Auge leicht mit einem Adligen verwechselt werden, wenn er nicht durch andere Merkmale erkennbar war. Wie löste man dieses Problem im Mittelalter?
Die Szene: Der König kommt in einer seiner Städte an. Im Adventus des Herrschers wurde durch die symbolische Übergabe eines Stadtschlüssels von den Eliten der Stadt häufig seine Stadtherrschaft inszeniert. Damit wurde die Hoheit des Herrschers über den Stadtraum demonstriert. Doch was geschah, wenn einem Herrscher dieses symbolische Recht verweigert wurde? Welche Zeichen wurden dabei gesetzt, und wie konnte ein solcher Konflikt gelöst werden?
Dieses Proseminar wird solchen und ähnlichen Fragen nachgehen und sie näher erläutern. Dabei werden verschiedene Bereiche der sichtbaren Wahrnehmung und des symbolischen Handelns in einer mittelalterlichen Gesellschaft untersucht. Medien wie Kleidung, Münzen, Bauwerke sowie gemeinschaftliche Handlungen wie religiöse Feiern, Herrschereinzüge und diplomatische Gesandtschaften werden dabei analysiert. Inhaltlich bietet das Seminar eine systematische Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte, wobei zugleich wissenschaftliche Methoden, Quellenarten und Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens vertieft werden.