Erst 2014 im hohen Alter verstorben, umfasst die Karriere des französischen Regisseurs Alain Resnais von seinem ersten bekannten Werk, dem dokumentarischen Essay Nuit et Bruillard (Nacht und Nebel, Frankreich 1955), über seinen ersten Langfilm Hiroshima, Mon Armour (1959) bis zum seinem letzten Werk Aimer, Boire et Chanter (2014) fast 60 Jahre. Resnais wird häufig (unter anderem von dem Filmphilosophen Gilles Deleuze) als der Vertreter par excellence eines intellektuellen Kinos betrachtet. Tatsächlich erkunden seine Filme wie L’année dernière à Marienbad (1961) oder La Guerre est Finie (1965) Formen des Denkens, Erinnerns und Vorstellens. Aber das Werk von Resnais lässt sich auf diesen Aspekt nicht reduzieren, vielmehr verbindet sich dieses Motiv im Laufe seiner Karriere immer stärker mit einem Nachdenken über das Kino und die Populärkultur, was etwa im Fall seines Neo-Musicals On Connait la Chanson (1997) in Filmen Ausdruck findet, die ebenso unterhalten wie zum Nachdenken anregen. Mit Filmen wie Je t’aime, Je t’aime (1969) oder Providence (1977) hat Resnais zudem schon sehr früh die Vorbilder für das Genre der Mindgame-Filme, zu dem etwa Inception oder Eternal Sunshine of the Spotless Mind gehören, geliefert. Das Seminar wird in Screenings ausgewählter Filme durch das Werk führen, versuchen, die Linien einer interessanten Entwicklung, die vom intellektuellen Kino hin zum unterhaltenden Kino führt, nachzuzeichnen, sich mit grundlegenden Texten zum Werk von Resnais beschäftigen und dabei auch untersuchen, wie die intensive Beschäftigung mit den Filmen eines Regisseurs auch die Möglichkeit bietet, über die Beiträge von Film zur Medienkultur nachzudenken.
Zum Seminar wird ein Reader bereitgestellt. Grundlage des Scheinerwerbs sind Referat und Hausarbeit.
- Trainer/in: Herbert Schwaab


