Obwohl Medien und Repräsentationen eigentlich als
Alternativen zum Alltag betrachtet werden, ergeben sich gerade aus ihrem
Alltagsbezug interessante Perspektiven nicht nur für die Medienwissenschaft,
sondern auch für die Kulturwissenschaft, Ästhetik und Philosophie. Alltag wurde
immer wieder als etwas betrachtet, dass verdrängt wird, uns bekannt erscheint
und sich gerade deswegen unserem Blick entzieht, weswegen Theorien des Alltags
die dramatische Veränderung der Perspektive betonen, die gerade die Beschäftigung
mit dem scheinbar Bekannten bietet. Alltag spielt zudem bei Soziologen wie
Henri Lefebvre oder den Cultural Studies eine wichtige Rolle, um etwa auf Formen
von sozialer Randständigkeit hinzuweisen, die durch einen anderen Fokus auf das
Gewöhnliche aufgehoben werden können. Dieses Seminar will nicht nur Grundlagen
dieser Theorien und Ästhetiken von Alltäglichkeiten und dem Gewöhnlichen
erkunden, die von der Romantik, über den amerikanischen Transzendentalismus bis
zu Wittgenstein und der Philosophie des 20. Jahrhunderts reichen, sondern vor
allem verschiedene kulturelle und mediale Genres auf ihren Alltagsbezug hin
erkunden. Dazu gehören der realistische Roman des 19. Jahrhunderts oder der
Naturalismus, Konzept- und Materialkunst des 20. Jahrhunderts mit Vertretern
wie Warhol oder Sophie Calle, filmische Auseinandersetzungen mit dem Alltag bei
Rohmer oder in den Filmen der Berliner Schule, Fernsehen und populärkulturellen
Genres wie Sitcoms oder Reality TV. Ein wichtiges Anliegen dieses Seminar ist
es, der Tatsache gerecht zu werden, dass mit den Sozialen Medien und
Plattformen wie TikTok, YouTube oder Instagram der Alltag und das Private in
das Zentrum der Medienkultur gerückt sind. Der letzte Teil des Seminars soll
daher dem Versuch gewidmet werden, mit den Motiven und Perspektiven von
Alltäglichkeit, die sich immer wieder in der Kultur- und Mediengeschichte
manifestiert haben, die verschiedenen Inszenierungen und Abbildungen des
Alltags in den sozialen Medien zu analysieren.
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Teilnahme des Seminars
sind Anwesenheit und Beteiligung an der Seminardiskussion, die Übernahme eines
Referats und eines Textkommentars sowie das Verfassen einer Hausarbeit
(Abgabedatum 30.9.2025).