Das Narrativ einer linearen historischen Entwicklung, die häufig am Medienumbruch zwischen dem Analogen und dem Digitalen festgemacht wird, beginnt seit einigen Jahren das Konzept des Postdigitalen zu inkludieren. Unter den Theorieansätzen zum Postdigitalen heben einzelne Positionen das Materiell-Leibliche und das Affektiv-Subjektive hervor. Das heißt, sie betonen Wahrnehmungsmodalitäten, die mit dem Ubiquitär-Werden digitaler Medien keineswegs an Gewicht verlieren. Leiblichkeit und Subjektivität, so legen es diese Positionen nahe, müssen vielmehr auch unter digitalen Medienbedingungen weiterhin als spezifisch menschliche Zugangsweisen zur Welt berücksichtigt werden. Folglich sollten diese Modalitäten einen analytischen Fokus in der Untersuchung technischer Vermittlungsprozesse der Gegenwart bilden.
Zu beachten gilt es dabei allerdings, dass wahrnehmende Subjekte hinsichtlich verschiedener Dimensionen sozialer Ungleichheit entlang der Achsen Gender, Race, Class, Sexualität, Ethnizität, Alter und Bildungsgrad jeweils unterschiedlich positioniert sind. Der technizistisch ausgerichtete medientheoretische Diskurs zum Digitalen jedoch verleugnet die Dimensionen sozialer Ungleichheit weitgehend und konzipiert das Subjekt – wenn es überhaupt vorkommt – als unmarkierte humanistische Universalie. Hier setzen feministische, queere und rassismuskritische Positionen an und reflektieren die intersektionale Verfasstheit des Subjekts, seine unauflösbare Verflechtung mit nicht-menschlichen Spezies und die planetarisch-ökologischen Konsequenzen der technologischen Vernetzung.
Im Seminar werden wir uns mit ausgewählten Positionen der Theoriebildung zum Analogen, Digitalen und Postdigitalen befassen und Forschungsfragen entwickeln, die es ermöglichen, den technologischen Wandel medien- und kulturwissenschaftlich zu reflektieren. Unsere Forschungsfragen werden wir anhand von Medienanalysen zu Fallbeispielen aus so verschiedenen kulturellen Genres wie dem Science-Fiction-Film, dem Dokumentarfilm, dem Musikvideo, der bildenden Kunst und der Medienkunst an konkrete Materialien anbinden.