In den letzten Jahren wird immer deutlicher, dass Medien und Umwelten in einem wechselseitigen Verhältnis zueinander stehen: Die Erdölindustrie kooperiert in großem Stile mit Technologie-Konzernen, Digitale Zwillinge simulieren umweltliche Veränderungen des ganzen Planeten und aktivistische Kollektive wie Forensic Architecture rekonstruieren mithilfe digitaler Medien Kriegs- sowie Umweltverbrechen anhand ihrer umweltlichen Einflüsse. Insbesondere im Kontext der Klimakrise und einer Sensorisierung sämtlicher Bereiche unserer Lebenswelt beschäftigen sich medienwissenschaftliche Analysen zunehmend mit den Einflüssen, die Medien auf Umwelten nehmen und dem Wissen, das sie von Umwelten produzieren. Auf der einen Seite beschäftigen sie sich sich dabei mit den materiellen Auswirkungen, die Medien auf Umwelten haben. Damit digitale Medien beispielsweise überhaupt funktionieren können, müssen zahlreiche seltene Erden extrahiert werden, was insbesondere im globalen Süden zur Auslöschung ganzer Landstriche führt. Auf der anderen Seite sind Medien allerdings auch notwendig, um überhaupt ein Wissen von Umwelten zu artikulieren, beispielsweise in Form von Klimamodellen, die den globalen Klimawandel erst nachweisen können.
Im Seminar wollen wir uns diesem ambivalenten Verhältnis von Medien und ihren Umwelten widmen, indem wir uns einen spezifischen Zugang aneignen, der dieses Verhältnis beschreibbar macht: nämlich dem der Environing Media. Jenes Konzept erlaubt zu untersuchen, wie unterschiedliche Medien Umwelten (er-)spüren, (be-)schreiben sowie (ver-)formen und sie so erst hervorbringen. Wir möchten dabei (unter anderem) folgende Fragen stellen: Wie lässt sich mithilfe dieses Ansatzes ein medienwissenschaftlicher Zugang zu umweltlichen Phänomenen etablieren? Welches Verhältnis pflegen basale Medien wie Schrift, Bild und Ton zu ihren Umwelten? Wie unterscheiden sich analoge von digitalen Environing Media? Und inwiefern läuft ein solcher Ansatz Gefahr ausbeuterische und zerstörerische (Medien-)Praktiken zu legitimieren?