Bereits die Literatur des Hochmittelalters zeichnet ein sehr
facettenreiches Bild von manheit. Männer werden nicht nur als
machtbewusst, aggressiv und kampfesmutig dargestellt, sondern auch als
höfisch-galant, empathisch und gefühlvoll oder auch als angsterfüllt,
verletzlich, hilflos. Aber welche Eigenschaften machten einen Mann in
den mittelalterlichen Narrativen zum „Helden“? Die erzählenden Texte des
Hoch- und Spätmittelters liefern ein weites Spektrum an Antworten,
indem sie zeithistorische Denkmuster abbilden, reflektieren,
hinterfragen und manchmal auch durchbrechen.
Im Seminar werden wir anhand der Lektüre mittelhochdeutscher Texte
unterschiedlicher Gattungen (Artusroman, Heldenepos, Märendichtung)
verschiedene Männlichkeitsentwürfe in den Blick nehmen und dabei unter
anderem den (vermeintlichen?) Zusammenhang von biologischer Verfasstheit
und sozialer Rolle sowie die Funktion der entsprechenden
Männlichkeitskonzepte für die jeweiligen Narrative untersuchen.
Teilnehmer:innen sollten die Bereitschaft zur umfangreichen Lektüre
mittelhochdeutscher Texte mitbringen. Die Kenntnis folgender Texte zu
Semesterbeginn (Textkenntnisklausur!) wird vorausgesetzt: Hartmann von
Aue ´Erec`, Wolfram von Eschenbach ´Parzival`, ´Kudrun`. Weitere Texte
werden im Laufe des Semesters (in Ausschnitten) auf GRIPS
bereitgestellt.