Die Oberpfalz zählt nicht zu den Standardregionen, wenn das Thema
Deindustrialisierung und Strukturwandel wissenschaftlich oder in der
öffentlichen Debatte verhandelt wird. Dennoch – oder gerade deshalb –
lohnt sich ein genauerer Blick. Im Projektseminar wollen wir diese
post-industrielle Kulturlandschaft erkunden und dabei das Kultur-Schloss
Theuern in den Fokus rücken. Im Mittelpunkt steht der Aspekt der
Annäherung an das industriekulturelle Kulturerbe der Gegenwart: Wie wird
im Museum in Theuern die Geschichte der Industrialisierung und des
Strukturwandels der Region erzählt und inszeniert? Welches Narrativ
entsteht mit Hilfe welcher musealen Mittel? In welche größeren
narrativen Zusammenhänge ist die museale Erzählung in Theuern
eingebunden, von welche hebt sie sich ab? Neben der gegenwartsbezogenen
Analyse interessieren uns ferner die Ursprünge und Anfänge der heute
etablierten Erzählungen und Inszenierungen zur industriellen Entwicklung
und ihres Niedergangs. Dafür werden wir uns in einer historischen
Betrachtung den Anfängen des Strukturwandels zuwenden und danach fragen,
welche Ideen und Pläne zu Beginn des Strukturwandels in den 1970er und
in den 1980er Jahren in der Region diskutiert wurden, um diesen zu
gestalten, Folgen zu mildern und der Region eine Vision für die Zukunft
einzuschreiben. Welche Rolle wurde der Inwertsetzung der Vergangenheit
als industriekulturelles Erbe damals zugedacht? Wurden Kultur und
Heritage überhaupt als identitätsrelevante Faktoren und
tourismusfördernde Konzepte diskutiert oder handelt es sich bei diesen
Ansätzen um ein neueres Konzept der Regionalentwicklung? Für diese
historische Analyse möchten wir die Bestände des Museumsarchives
sichten, um konkrete Zielsetzungen, Planungen, Konzepte der damaligen
Zeit herausarbeiten und kontextualisieren zu können. Dabei geht es auch
um die Frage, ob es konkurrierende Vorstellungen unterschiedlicher
Akteur*innen gab und welche Konzepte sich aus ihrer Sicht als machbar
und praktikabel erwiesen haben. Am Ende des Projektseminars sollen die
Studierenden die Ergebnisse der Recherche in einer kleinen Ausstellung
im Museum präsentieren. Für die Studierenden bietet dies die ideale
Möglichkeit, Erfahrungen darin zu sammeln, wie Wissen aufgearbeitet
werden muss, um im Format einer Ausstellung Wirksamkeit entfalten und
die avancierten Zielgruppen erreichen zu können. Für das Museum bietet
dieses Vorgehen den Mehrwert, Besucher*innen Einblicke in die
Entstehungsgeschichte des Hauses zu geben und somit eine breitere
Kontextualisierung der erzählten Geschichten zu gewährleisten.