Die Beschäftigung mit Erinnerungskulturen hat sich seit den 1990er Jahren zu einem wichtigen Bestandteil der Kultur- und Geschichtswissenschaften entwickelt. Nicht die Ereignisgeschichte, sondern der gesellschaftliche Umgang mit Vergangenheit steht hier im Mittelpunkt und umfasst ein weites Spektrum an Themen – von offizieller Geschichtspolitik bis zum individuellen Erinnern von Zeitzeug*innen, von Artefakten wie Denkmälern bis zu performativen Akten wie Gedenkfeiern. In den letzten Jahren hat dieses Forschungsfeld, die memory studies, zahlreiche konzeptionelle Vorschläge hervorgebracht, die Erinnerungskulturen verstärkt als wandelbar, mobil und miteinander verflochten begreifen. Diese neueren konzeptionellen Ansätze stehen im Mittelpunkt der Übung. Wir werden diskutieren, welche Erklärungspotentiale die verschiedenen Theorieangebote haben, wo ihre Grenzen sind und wie sie sich auf konkrete Erinnerungsphänomene anwenden lassen. Erproben wollen wir die Ansätze an exemplarischen Themen der lokalen Regensburger und regionalen Erinnerungskultur: Welche Perspektiven bringen Erkenntnisgewinn? Wie kommen unterschiedliche Akteur*innengruppen zur Sprache? Wie lassen sich Erinnerungskonflikte analytisch fassen?