Universitäten, Institute und Lehrstühle sind keine abstrakten Institutionen, sondern werden durch verschiedene soziale Akteursgruppen geprägt, die Campusräume aneignen, ausgestalten und mit spezifischen Bedeutungen versehen. Dazu rücken wir Fachschaftszimmer in das ethnographische Blickfeld, die als verdichtete Orte sozialer und fachkultureller Aushandlungen untersucht werden. Diese eröffnen sich auch in den kleinen Dingen des Alltags: eine geliebte Tasse, Sticker mit politischer Botschaft, der alte Aufsteller des letzten Hochschulinfotags oder ein gut gehütetes Gästebuch. Wer einige Zeit in Fachschaftszimmern verbracht hat, verbindet damit ganz persönliche Erinnerungen. Diese entstehen durch die gemeinsame Arbeit, Treffen und Gespräche vor Ort, aber auch durch Menschen, die den Raum einst prägten und ihre Spuren hinterlassen haben. Fachschaftszimmer können so zu einer wichtigen Station in der persönlichen und fachlichen Entwicklung avancieren, an der sich unterschiedliche Gruppenidentitäten herausbilden, die eng mit den jeweiligen Fachkulturen verwoben sind (Bauer/Franken, 2015,10f.).
Die Studierenden erkunden verschiedene Fachschaftszimmer am Campus mit der Kamera, treten mit Fachschaftsmitgliedern ins Gespräch und setzen sich sowohl über einen historisch-archivalischen Zugang als auch über empirisch erhobenes Bild- und Textmaterial mit dem Forschungsgegenstand auseinander. Zu den zentralen Lernzielen zählen die Schulung eines historischen Bewusstseins für universitäre Räume, die Einübung einer hermeneutischen Analyse von Bild- und Textquellen und die Schärfung eines multiperspektivischen Blicks, indem fachkulturelle Logiken, Aneignungsweisen und Deutungen vergleichend in den Blick genommen werden.