Als Kreolsprache bezeichnet man eine Sprache, die in einer Situation entstand, in der Bevölkerungsgruppen ohne gemeinsame Sprache aufeinandertrafen und sich untereinander verständigen mussten. Der Begriff wird insbesondere für im Zusammenhang mit der europäischen Kolonisation und dem transatlatischen Sklavenhandel entstandene Sprachen verwendet. Bekannte Beispiele sind Haitianisch, das jamaikanische Patois und Tok Pisin, die Nationalsprache Papua Neuguineas.
Kreolsprachen zeichnen sich dadurch aus, dass sie den grössten Teil ihres Wortschatzes der in der Kontaktsituation dominanten Sprache entnehmen – im kolonialen Kontext ist dies die Kolonialsprache. Sie unterscheiden sich jedoch deutlich von der Kolonialsprache in Bezug auf das Lautsystem und die Grammatik. Viele grammatische Strukturen gleichen denen der in der Kontaktsituation untergeordneten Sprachen. Kreolsprachen wurden lange geringschätzig als rudimentäre Kommunikationssysteme und vereinfachte Versionen der jeweiligen Kolonialsprache bezeichnet.
Da ihre Geschichte relativ gut dokumentiert ist, sind Kreolsprachen für Linguisten besonders interessant als Fallbeispiele für sprachlichen Wandel und Sprachentwicklung. Überdies geben sie auch einige Rätsel auf: So gibt es einige typische Strukturen, die sich in allen Kreolsprachen finden, auch wenn sie keinen Kontakt untereinander hatten. Bis heute gibt es keine universell akzeptierte Theorie, die diese Gemeinsamkeiten erklärt.
Dieser Kurs bietet einen Überblick über die Kreolistik. Wir betrachten verschiedene Szenarien, unter denen Kreolsprachen entstanden sind und lernen Theorien zu ihrer Entstehung kennen. Überdies wird schauen wir die Struktur einiger ausgewählter Kreolsprachen genauer an; dabei sollen Sprachen, die auf den wichtigen Kolonialsprachen Englisch, Französisch und Portugiesisch basieren, repräsentiert werden. Zuletzt gehen wir auf einige Probleme der Kreolistik ein, zum Beispiel, ob ob Kreolsprachen tatsächlich einfacher sind als andere Sprachen, und ob es sich bei Kreolsprachen wirklich um einen definierbaren, eigenen Sprachtyp handelt.