Wie funktioniert Sprache: Was bedeuten sprachliche Ausdrücke wie bspw. „fünf“, „rot“, „Apfel“ und „Fünf rote Äpfel, bitte!“? – sind es Gedanken im Geist? oder Dinge in der Wirklichkeit? Was unterscheidet Bitten von Fragen („Wird sie ihm fünf rote Äpfel geben?“) oder Vermutungen („Sie wird ihm wohl fünf rote Äpfel geben.“)? Wie genau machen wir es eigentlich, mit Lautfolgen oder Gestaltreihen über alles Mögliche zu reden: was lernen wir zu tun, indem wir sprechen lernen? – lernen wir nur, Ausdrücke mit Dingen zu verknüpfen – „rot“ mit einer Farbe, „fünf“ mit einer Anzahl, etc. – oder lernen wir zuallererst denken, indem wir sprechen lernen? Wozu brauchen wir Sprache überhaupt; welche Rollen spielt Sprache im menschlichen Leben? – dient sie nur als ein Hilfsmittel für Erinnerung, Mitteilung und Überlegung – oder macht sie diese Tätigkeiten zuallererst möglich?
Diese Fragen und ihr Zusammenspiel wollen wir im Dialog mit ausgewählten Texten der analytischen Tradition untersuchen. Unser Ziel dabei ist es einerseits, für die Entwicklung der analytischen Tradition prägende Antworten auf diese Fragen im Detail zu verstehen und zu prüfen. Andererseits soll zugleich das Verhältnis dieser Fragen untereinander stets mit bedacht werden. Denn oft ist auf den ersten und auch zweiten Blick alles andere als klar, was unvereinbare Antworten auf ein und dieselbe Frage und was möglicherweise komplementäre Antworten auf verschiedene dieser Fragen sind. Auf diese Weise soll ein Überblick über die verschiedenen Bereiche der Sprachphilosophie und ein Verständnis ihres Zusammenhanges erzielt werden. Zu diesem Zweck werden wir einige Meilensteine der Entwicklung des Nachdenkens über Sprache in der analytischen Tradition im Detail diskutieren, das sind vor allem Texte von Gottlob Frege, Ludwig Wittgenstein, Paul Grice und David Lewis.
Sprachphilosophische Vorkenntnisse sind hilfreich aber nicht nötig. Die Bereitschaft zur Lektüre englischsprachiger Texte ist notwendige Bedingung für die Teilnahme. Wir werden auf Deutsch diskutieren, englischsprachige Beiträge sind willkommen. Studienleistung ist voraussichtlich die Formulierung von Lektürefragen zu jedem Text.