Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist von einem „literarischen Nullpunkt“ die Rede. Sogenannte Trümmerliteratur (Bsp.: Heinrich Böll, Wolfgang Borchert, Günter Eich) beschreibt eine in ihren Grundfesten erschütterte Welt. In Westdeutschland formiert sich die Gruppe 47 (Ingeborg Bachmann, Martin Walser, Günter Grass) deren Mitglieder tonangebend in der Nachkriegsliteratur sein werden. Neben der Aufarbeitung der Kriegstraumata entsteht eine literarische Konzentration auf das Jetzt und Hier der Gegenwartsverhältnisse (Siegfried Lenz, Christine Brückner, Martin Walser), die experimentierfreudige literarische Formen kreiert (Arno Schmidt, Uwe Johnson etc.) Mit dem Vietnamkrieg und der 68er-Bewegung erfolgt eine neuerliche literarische Zäsur. Politische Lyrik (Hans Magnus Enzensberger, Erich Fried), politisches Drama (Peter Weiss, Rolf Hochhuth) und die Gegenbewegung der Neuen Subjektivität (Rolf Dieter Brinkmann, Peter Handke) betreten die literarische Szene. Unter dem Label Popliteratur werden in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren dann eine Reihe jüngerer Autoren gefasst, die sich sprachlich und ästhetisch an der Popkultur in Musik und Werbung orientierten (Benjamin von Stuckrad-Barre, Alexa Hennig, Christian Kracht). Der postmoderne Roman etabliert sich zudem als Genre (Christoph Ransmayr, Robert Schneider). Die Vorlesung hat a) das Ziel, wirkmächtige literarhistorische Wissensbestände dieser Phasen zu dokumentieren und b) an Beispielen literarischer Schlüsseltexte diese Phase Zentralmotive der Literatur des 20. Jahrhunderts nach 1945 einer eingehenden Analyse zu unterziehen.