Im Jahr 1363 belehnte der französische König, Johann II. aus dem Haus Valois, seinen jüngsten Sohn Philipp, genannt der Kühne, mit Burgund, nachdem dessen letzter kapetingischer Herzog zwei Jahre zuvor verstorben war. Derart und darauffolgend durch seine Ehe mit Margarethe von Male, der Erbin von Flandern, Nevers, dem Artois und der Freigrafschaft Burgund, erlangte Philipp in kurzer Zeit eine bedeutende Machtstellung in Westeuropa, die seine Nachfolger über drei Generationen immer weiter auszubauen suchten. Das Seminar beschäftigt sich mit den Bestrebungen der Valois-Herzöge im 14. und 15. Jahrhundert, eine herrscherliche Eigenständigkeit gegenüber den Königen von Frankreich und römisch-deutschen Kaisern, ihren Lehnsherrn, zu erlangen. Das Augenmerk unserer Arbeit soll auf den damit einhergehenden Anstrengungen, aus den so unterschiedlichen Besitzungen des Hauses ein ‚burgundisches‘ Ganzes zu bilden, liegen. Ziel ist es, die Grundlinien dieser Entwicklung, aber auch ihre Brüche offenzulegen: Welcher politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Mittel bedienten sich die Herzöge, um ihre Herrschaft von Holland im Norden bis Mâcon im Süden zu festigen? Wie gingen sie dabei mit dem Widerstand in den bedeutenden Städten Flanderns um? Vermochten sie es, lokale Adelsfamilien dauerhaft an sich zu binden? Auf welche Weise versuchten sie, König und Kaiser hoheitliche Zugeständnisse abzuringen?