Beginnend in den 1980er-Jahren ist die heterogene Theorienfamilie des Kommunitarismus eine der einflussreichsten Herausforderungen des modernen Liberalismus. Der Kommunitarismus richtet sich insbesondere gegen liberale Ansätze, die von einem autonomen, vorsozialen Individuum ausgehen. Kommunitaristische Theorien betonen demgegenüber, dass Freiheit, Identität und Selbstverwirklichung nur auf der Grundlage sozialer Bindungen, geteilter Werte und gemeinschaftlicher Praktiken möglich sind.
Seine anhaltende Aktualität bezieht der Kommunitarismus aus seiner Diagnose moderner Gesellschaften, die er als von sozialer Fragmentierung, Identitätskonflikten und dem Verlust gemeinsamer normativer Orientierungen geprägt sieht. In diesem Kontext fungiert er als kritisches Korrektiv liberaler Ordnungen, indem er auf die Bedeutung von Gemeinschaftssinn, sozialer Integration, Bürger*innentugenden und zivilgesellschaftlicher Selbstorganisation als Grundlagen für demokratische Praxis verweist.
In der Auseinandersetzung mit dem Kommunitarismus fokussiert sich die Übung auf das Werk von zentralen Autoren: Michael Sandel, Alasdair MacIntyre und Michael Walzer. In enger Primärtextlektüre über jeweils mehrere Sitzungen hinweg wird deren Werk ausführlich besprochen und analysiert. So soll beispielhaft ein vertiefter Einblick in die Liberalismuskritik, die Argumentationsstruktur und die Vorschläge kommunitaristischer Theorien gewonnen werden.
Die erfolgreiche Teilnahme an der Übung erfordert eine intensive Textvorbereitung, die aktive Teilnahme an der Diskussion, ein Referat und – im Falle einer benoteten Übung – die Abgabe einer Hausarbeit.