In den aktuellen Debatten zu Migration, Inklusion, Diversität und Polarisierung spielt die Figur des „Anderen“, des „Fremden“ bzw. des „Feinds“ eine zentrale Rolle. In einer Gegenwart, in der das Identifikationspotential von Familie, Beruf, Religion und Nation umkämpft ist, wird der andere Mensch – dessen Innenleben sich mir entzieht und der sich von mir grundsätzlich unterscheidet – als Kontrastfläche für meine Identitätsfindung besonders reizvoll. Und der Umgang mit diesem anderen Menschen wird zu einer grundlegenden politischen Frage.
Die Übung beschäftigt sich mit verschiedenen Ansätzen aus der Politischen Theorie und Philosophie, die Alterität (Identität stiftende Verschiedenheit zweier aufeinander bezogener, sich bedingender Identitäten) aus unterschiedlichen Perspektiven bearbeiten. Ziel ist es, unterschiedliche Konzepte von Alterität sowie ihren Bezug zu politiktheoretischen Fragestellungen zu verstehen, miteinander zu vergleichen und kritisch zu reflektieren.
Im Rahmen der Übung werden unter anderem folgende Fragen betrachtet:
Wie ist der Bezug zwischen individueller/kollektiver Identität und dem anderen Menschen: Sind beide voneinander abhängig? Wenn ja, wie? Ist der andere Mensch als politischer Gegner/Feind zu verstehen, den es zu bekämpfen gilt? Resultiert aus der Abhängigkeit zwischen Identität und Alterität eine (politische) Verantwortung gegenüber dem anderen Menschen?
Wie ist der Bezug zwischen Alterität und dem Politischen: Begründet Alterität das Politische (weil sie Entscheidungen notwendig macht)? Begründet das Politische Alterität (weil es Normen und damit auch Abweichungen von der Norm konstruiert)?
Wer ist der andere Mensch: Ist er eine Projektionsfläche oder hat er die Möglichkeit, für sich selbst zu sprechen und selbst zu handeln?
Nach einer schlaglichtartigen, einführenden Betrachtung des Konzepts Alterität in der (politisch-philosophischen) Ideengeschichte, wird der Schwerpunkt des Kurses in der Lektüre und Diskussion von Primärliteratur aus dem 20. Jahrhundert und der Gegenwart liegen. Die erfolgreiche Teilnahme an der Übung erfordert eine intensive Textvorbereitung, die aktive Teilnahme an der Diskussion, ein Referat und – im Falle einer benoteten Übung – die Abgabe einer Hausarbeit.