Klimawandel sorgte in der Vergangenheit immer wieder für einschneidende Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Vor knapp 1000 Jahren etwa stieg in Europa mit der Erwärmung in der „Mittelalterlichen Warmzeit“ zunächst die Agrarproduktivität, und dies beförderte nachfolgend eine erhebliche Ausweitung der Agrarflächen, eine Veränderung der Anbaumethoden und indirekt auch ein stetiges Wachstum der Bevölkerung.
In der Vorlesung soll dieser sich vielerorts zwischen etwa 1000 und 1300 vollziehende wirtschaftliche, demographische und soziale Wandel im „Boom des Hochmittelalters“ anhand der Quellen der Zeit – Urbare, Urkunden, Chroniken und Rechnungen – nachvollzogen werden. Dabei werden u.a. Landesausbau, Migration und Kolonisation, Herrschaftsverdichtung, Städtegründungswelle und das Wiederaufleben des Fernhandels („Commercial Revolution“) behandelt, Prozesse, welche die Gesellschaft des mittelalterlichen Europa grundlegend verändert haben.
Außerdem ist die Vorlesung eine Einführung in die Klimageschichte und die Methoden der Klimarekonstruktion, und es soll gefragt werden, welchen Anteil Klimawandel und Wetteranomalien – neben technologischen und rechtlichen Innovationen wie Dreifelderwirtschaft, Wendepflug oder Markt- und Stadtrecht – möglicherweise an der wirtschaftlichen Entwicklung und am gesellschaftlichen Wandel des Hochmittelalters gehabt haben.