Seit Descartes philosophischer Trennung von res extensa (Körper) und res cogitans (Geist) und der Selbstzuordnung des Menschen zur Geisteskategorie (cogito, ergo sum) gilt es für uns, einen „anthropologischen Dualismus“ (C. Benthien) zu bewältigen. In der Philosophie und der Literatur wird das zentrale Problem des commercium mentis et corporis, die Frage nach den möglichen Verbindungen zwischen Geist und Körper, der Existenz einer Seele, dem Zwiespalt zwischen Materialismus und animistischen Theorien zum Gegenstand der Untersuchung. Fragen nach dem Wesen des Schmerzes, dem Konflikt zwischen Willensfreiheit und Determinismus, dem Individuum als Instinktautomat oder „Mittelding zwischen Vieh und Engel“ (F. Schiller) oder aber nach den großen Themen von Anfang an, Liebe und Tod, treten hinzu. Die Literatur reagiert auf diese anthropologischen Anfragen. Die Vorlesung schlägt einen Bogen von der Anthropologie der Aufklärung bis hin zur Gegenwart und wird sich mit einschlägigen Wissensbeständen in den Schriften von F. Schiller, H. von Kleist, G. Büchner, Karl P. Moritz, A. v. Droste-Hülshoff, G. Benn, R. Musil, Botho Strauß, Durs Grünbein u.a. befassen.