Freuds Traumdeutung (1900) bezeichnet den Traum als "Via Regia zur Kenntnis des Unbewußten". Die Vorstellung, im Traum einen zu entschlüsselnden Ausdruck der Sprache des Unbewussten vor sich zu haben, nimmt gravierenden Einfluss auf Inhalt und Form der Literatur der klassischen Moderne (Schnitzler, Kafka, Hesse, Ernst Jünger et al.). Doch bereits lange vor Freud finden sich Wunschträume, Angstträume, Mahnträume, Selbstbestrafungsträume, Visionen und Beschwörungen in narrativen Mustern zum Ausdruck gebracht. Das Seminar sucht die über das literarische Zeugnis zum Ausdruck gebrachten "Kunstgriffe des Traumes“ (H. Hesse), sprich: mentalitätsgeschichtlich variierende Traumkonzeptionen ins Blickfeld der Analyse zu nehmen.
Bisher feststehende Texte des Seminar sind: Novalis: Heinrich von Ofterdingen (Exposition), E.T.A. Hoffmann: Der Magnetiseur, Heinrich von Kleist: Das Käthchen von Heilbronn, Jean Paul: Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, Charles Baudelaire: Die künstlichen Paradiese, Sigmund Freud: Der Dichter und das Phantasieren, Arthur Schnitzler: Traumnovelle, H. von Hofmannsthal: Reitergeschichte, Thomas Mann: Der Tod in Venedig.