Nach nur drei Jahren ist die Berliner Ampel-Koalition gescheitert und
es gibt deutlich früher als geplant Neuwahlen zum Deutschen Bundestag im
Jahr 2025. Wir wollen uns in diesem Seminar mit modernen
Social-Media-Wahlkampfinstrumenten beschäftigen, die von den politischen
Parteien in einem extrem verkürzten Wahlkampf eingesetzt werden
mussten. Neben dem Anbringen von Plakaten, Haustürgesprächen,
Straßenständen, TV-Duelle und der Präsenz der Spitzenkandidaten in
Talkshows setzen die deutschen Parteien bereits seit der Bundestagswahl
2017 verstärkt auf den digitalen Wahlkampf im Internet. Der
Online-Wahlkampf spielt eine immer wichtigere Rolle bei Wahlen und
ergänzt die klassischen Strategien. Dank massenhaft erhobener Daten im
Internet können Parteien beispielsweise herausfinden, in welchen
Gemeinden oder Stadtteilen es noch viele unentschlossene Wähler gibt.
Dort veranstalten sie gezielt Kundgebungen oder gehen von Haustür zu
Haustür. Zugleich werden Wahlveranstaltungen live ins Netz gestreamt und
erreichen so ein weitaus größeres Publikum. Analoger und digitaler
Wahlkampf sind eng miteinander verzahnt, das eine ist ohne das andere
nicht denkbar. Dennoch folgen soziale Netzwerke ihrer eigenen
Kommunikationslogik, weshalb Wahlkampfstrategen ihre Kampagnen und
einzelne Formate jeweils daran anpassen müssen, um die potenzielle
Wählerschaft optimal zu erreichen (micro targeting). Doch welche
unterschiedlichen Strategien nutzen die Parteien hier? Wieviel Geld
geben Sie für den Social-Media-Wahlkampf aus und mit welcher Wirkung?
Und wie wirken sich die digitalen Wahlkampfstrategien auf das Elektorat,
die Umfragen und das letztendliche Wahlergebnis aus?
Dieser
Kurs wirft einen umfassenden und datenbasierten Blick auf den
Social-Media-Wahlkampf zur Bundestagswahl 2025. Es werden moderne
Methoden der statistischen Datenanalyse und der Computational Social
Science genutzt und eingeführt, um politische Entwicklungen und Trends
greifbar zu machen und visualisieren zu können. Zudem werden Praktiken
im Wahlkampf untersucht, der besondere Fokus in diesem Kurs liegt
hierbei auf der Kommunikation der politischen Akteure in Sozialen Medien
im Vergleich zum analogen Wahlkampf. Aufbauend auf klassischen
Konzepten der empirischen Politikwissenschaft und Wahlforschung werden
zusätzlich neue Erhebungs- und Analysemethoden wie Eyetracking, Machine
Learning und Data Scraping vorgestellt und angewendet.
Im
Vordergrund stehen zunächst die theoretischen Grundlagen sowie der
Forschungsstand zur Social-Media-Wahlkampfforschung und die dafür
relevanten Methodiken. Diese Erkenntnisse liefern wichtige
Voraussetzungen für die Analyse des digitalen Wahlkampfes zur
Bundestagswahl 2025. Wir werden auch selbst Daten erheben und planen
mittels Eyetracking-Methoden im Labor und mit dem Smartphone die
Instagram-Wahlwerbungen der politischen Parteien sowie aller
Kandidat:innen zur BTW 2025 auszuwerten. Vorausgesetzt werden als
Studienleistungen die Lektüre der theoretischen Grundlagen und der
anwendungsorientierten Studien, die Mitarbeit bei der Recherche der
Instagram-Accounts der Kandidat:innen zur BTW 2025 (bei der BTW 2021
waren es 6.211 Kandidat:innen), die Teilnahme an den
Eyetracking-Experimenten im Labor und an den Smartphones sowie die
Abgabe von Prüfungsleistungen in Form von empirischen wie auch
theoretischen Seminararbeiten (Haupt-, Ober-, Forschungsseminar) oder
wissenschaftliche Poster (Übung).