Der ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach stellt einen der Höhepunkte der höfischen Literatur in der ‚Staufischen Klassik‘ dar. Wolfram spielt mit verschiedenen Bezugshorizonten, die seinen höfischen Roman zu einem überaus komplexen Text werden lassen. Neben die höfische Welt des Artushofes treten eine Vielzahl religiöser Bezüge, welche die Artuswelt gleichsam ergänzen, mitunter sogar auch in Konkurrenz zu ihr treten. Mit der Gralswelt schafft Wolfram zudem ein zweites höfisches Zentrum neben dem Artushof, der mit dieser aber gleichwohl eng verbunden bleibt. Diesen beiden Deutungsrahmen zugeordnet werden Minne, Verwandtschaft, Ritterschaft als Möglichkeiten adliger Gesellschaftskonstitution, die einander sowohl ergänzend als auch konkurrierend überlagern.
Ebenso komplex wie der Inhalt des ‚Parzival‘ ist hierbei die Erzählweise, die aufgrund häufiger Unterbrechung des Erzählflusses durch Kommentare, ungewöhnliche Bilder und Vergleiche, historische Bezüge sowie Reflexionen der Möglichkeiten des Erzählens als exzeptionell erscheint. Der ‚Parzival‘ stellt damit ein Kompendium höfischer Erzählkunst dar, das sowohl auf der Ebene des Erzählten als auch auf der Ebene der narrativen Strategien viele Elemente des höfischen Romans multiperspektivisch reflektiert.
Text:
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text zitiert nach der sechsten Ausgabe v. Karl Lachmann. Übersetzung v. Peter Knecht. Mit Einführungen zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der Parzival-Interpretation v. Bernd Schirok. Berlin/New York 2003
Zur Einführung:
Joachim Bumke: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart/Weimar (8. Aufl.) 2004, S. 1-275.