Sprachen der Migration in Bayern
Bayern ist heute durch eine vielfältige sprachliche Realität geprägt, die weit über die traditionelle innere Mehrsprachigkeit aus bairischem/fränkischem/schwäbischem Dialekt sowie dem standarddeutschen Repertoire hinausgeht. Durch unterschiedliche Migrationsbewegungen haben zahlreiche weitere Sprachen Eingang in den Alltag und die Familienstrukturen des Bundeslands gefunden.
Zu Beginn des Seminars wird gemeinsam erarbeitet, welche Migrationssprachen im postmigrantischen Bayern – und insbesondere im Raum Regensburg – tatsächlich präsent sind und in welcher Größenordnung sie vorkommen. Im Anschluss daran werden die „neuen Sprachen Bayerns“ und die mit ihnen verbundenen sprachlichen Phänomene systematisch untersucht. Wir betrachten sowohl die Varietäten der Erstgeneration als auch die Herkunftssprachen der zweiten und dritten Generation, bei denen Sprachgebrauch, Dominanzverhältnisse, Identitätsfunktionen und Sprachwandelprozesse oft andere Muster zeigen als bei ihren Eltern oder Großeltern. Zentrale Themen und Fragestellungen sind u. a.:
· Sprachdominanz und -kompetenz in mehrsprachigen Repertoires
· Domänenbezogener Sprachgebrauch (Familie, Schule, Peergroup, Beruf, digitale Kommunikation)
· Gesteuerter und ungesteuerter Spracherwerb
· Sprachkontakt, Code-Switching und Translanguaging
· Mehrsprachigkeit und Identität
· Sprachpolitik und institutionelle Rahmenbedingungen in Bayern
Nach Möglichkeit werden Exkursionen zu einzelnen migrantischen Communities durchgeführt. Diese dienen nicht nur der Begegnung, sondern auch der Datenerhebung. Die Studierenden führen im Verlauf des Semesters eine eigene kleine empirische Studie durch – etwa in Form von Sprachbiographien, Fragebogenerhebungen zur Sprachdominanz oder sprachlichen Analysen von Interviewdaten.